Land und Leute

Belarus hat 9.5 Millionen Einwohner. Neben der Hauptstadt Minsk (1,95 Mio Einwohner) sind die größten Städte Gomel (512.000), Vitebsk (363.000), Mogilev (361.000), Grodno (357.000) und Brest (331.000). Gut 40% Prozent der Fläche Belarus besteht aus Wald. Über 82% der Bevölkerung sind ethnische Belarussen, ca 8 Prozent sind Russen, der Rest verteilt sich zumeist auf Polen und Ukrainer. 82 Prozent der Bevölkerung gehören der russisch-orthodoxen Kirche an, ca. 8 Prozent sind Katholiken. Von der ehemals großen jüdischen Gemeinde leben heute nur noch einige Tausend Menschen in Belarus. Belarus ist eine präsidiale Republik, welchem Präsident Lukaschenko seit 1994 vorsteht. Das Verhältnis zum Westen ist aufgrund des autoritären Führungsstils und dem Vorwurf der Wahlmanipulation insbesondere seit den Wahlen 2010 angespannt.

Das Bildungsniveau im Lande ist hoch, der Anteil von Hochschulabgängern gehört mit zu den höchsten in Europa.

 


Minsk und seine Geschichte 

Minsk mit seiner wechselvollen Geschichte wurde erstmals im 11. Jahrhundert als Teil der Kiewer Rus erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde Minsk Teil des litauischen Großfürstentums und erhielt im Jahre 1499 die Magdeburger Rechte. In den nachfolgenden Jahrhunderten war Minsk mehr und mehr polnisch geprägt, bevor es im Russisch-Polnischen Krieg unter den Einfluss Russlands kam und 1793 Teil des zaristischen Russlands wurde. Bis zum 20. Jahrhundert wuchs die Stadt auf über zweihunderttausend Einwohner und wurde nach dem Ersten Weltkrieg kurzzeitig Hauptstadt einer unabhängigen Volksrepublik. In dieser Zeit entstand auch ein erstes belarussisches Nationalbewußtsein, bevor Belarus 1922 Teil der Sowjetunion wurde und fortan als Belarussische SSR innerhalb der Sowjetunion existierte. 

Im Zweiten Weltkrieg wurde Minsk von deutschen Truppen nahezu völlig zerstört, der größte Teil der jüdischen Bevölkerung wurde ermordet.

Minsk wurde nach dem Krieg zur "Heldenstadt" ernannt und seitens Stalins beim Wiederaufbau bevorzugt, was man u.a. anhand von monumentalen Bauten heute noch am Nezavisimosti Prospekt sehen kann. 

In den 70er Jahren überstieg Minsk die Millionengrenze, im Zuge des Einwohnerentwicklung erhielt Minsk Mitte der achtziger Jahre eine Metro, die Vorstädte wuchsen als Satelliten um die Innenstadt herum.

Aufgrund seiner seit der Unabhängigkeit 1991 erlangten Bedeutung als Hauptstadt eines souveränen Staates hat es nicht nur die Hauptstadtfunktion mit entsprechenden Ministerien und ausländischen Botschaften inne, sondern ist zugleich auch Sitz der meisten in- und ausländischen Unternehmen. Nach Jahren der Stagnation ist die Bevölkerung zuletzt auf gut 2 Millionen Menschen gewachsen, was sich vor allem durch den Zuzug vom Lande erklären lässt. 


Wirtschaft

Belarus hatte zu Sowjetzeiten einige Schlüsselindustrien inne, welche dem Land in den 90er Jahren im Zusammenspiel mit einer zentralisierten Planwirtschaft die wirtschaftlichen Achterbahnfahrten seiner östlichen Nachbarn weitestgehend erspart hat. Im Resultat hat dies aber dazu geführt hat, dass Belarus eine weitgehend staatskapitalistische Volkswirtschaft geblieben ist, mit allen bekannten Folgen hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit, da die bis heute vorgebenen planwirtschaftlichen Wachstumsvorgaben oftmals zu Lasten eines nachhaltigen Wirtschaften und notwendiger Investitionen gehen. Private Unternehmen haben lediglich einen Anteil von ca. 30 % am Bruttoinlandsprodukt und unterliegen wie auch Staatsbetriebe umfangreichen staatlichen Regularien. Trotz dieser Ausgangslage blieb die Wirtschaftlage die letzten Jahre nicht zuletzt vor allen durch verbilligten Rohstoffeinkauf aus Russland weitestgehend stabil.

Traditionell ist die belarusssiche Wirtschaft eng mit der russischen Wirtschaft vernetzt, nahezu 45 Prozent aller Exporte gehen nach Russland, bei den Importen stammen sogar über 50 Prozent aller Waren aus Russland.

 

Anders als in Russland oder der Ukraine fehlt in Belarus eine ins Machtzentrum drängende und wirtschaftliche Schlüsselpositionen einnehmende Oligarchenelite. Es gibt zwar auch in Belarus eine von der Regierung protegierte Wirtschaftselite, diese ist sich ihrer begrenzten politischen Einflussmöglichkeiten aber deutlich bewußt.

Seit der letzten größeren Wirtschaftskrise 2011 wurden Maßnahmen ergriffen, die auf Grundlage einer verbesserten Rechtsgrundlage größere privatwirtschaftlichere Investitionen ins Land zu holen versuchen. Die in Belarus bereits ansässigen Niederlassungen größerer deutscher und anderer westlicher Unternehmen lassen denn auch die Möglichkeiten gewinnbringender Investitionen erahnen. Neue Schwerpunkte der vergangenen Jahre sind neben der Chemie- und Pharmaindustrie vor allem die IT Branche.

Der aktuelle Bericht des von der Weltbank finanzierten „Doing Business 2015“ listet Belarus in der Attraktivität bzw. den Möglichkeiten Geschäfte zu machen immerhin auf Platz 57 von 189 Ländern.  

 


Landessprache

Belarus hat mit belarussisch zwar eine eigene Sprache, im Alltag aber wird überwiegend russisch gesprochen. 

Englisch ist wie in den meisten ehemaligen Ländern der Sowjetunion (noch) nicht besonders weit verbreitet und wird meist nur in größeren Städten gesprochen. 


Reisezeit

Wer kalte Winter mag, für den dürften natürlich auch die Wintermonate in Belarus ihren Reiz haben, zumal die Winter meist schneereich sind. Die Temperaturen pendeln zwischen den Berliner und den Moskauer Wintertemperaturen. Ansonsten sind die Monate Mai bis September sicherlich die angenehmste Reisezeit, um die Stadt zu erleben, zumal sich das Leben dann meist draußen abspielt. Die Sommer sind meist kurz, aber dafür heiß und trocken.


Sicherheit

Minsk hat im Vergleich zu anderen europäischen Hauptstädten eine der niedrigsten Kriminalitätsraten. Die Gründe liegen hier nicht zuletzt in einem effektiven Polizeiapparat, welcher nicht immer sichtbar scheint aber dennoch präsent ist. Auch die aus dem benachbarten Russland bekannten Folgen organisierter Kriminalität sind in Belarus weitestgehend unbekannt. Als Reisender sollte man dennoch die gleichen Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, welche man als Tourist auch anderswo beherzigen würde, insbesondere das übermäßige Zurschaustellen von Geld oder Schmuck sollte man vermeiden.


Medizinische Versorgung

Eine medizinische Grundversorgung ist in Belarus generell gegeben, auch wenn man bei einem Arztbesuch oder einem Krankenhausaufenthalt nicht immer deutsche Maßstäbe ansetzen sollte. Grundsätzlich sind die belarussischen Ärzte bestens ausgebildet, während die medizinischen Gerätschaften nicht immer auf dem neuesten Stand sind. In Minsk, wo man eine ganze Reihe entsandter Expats und Botschaftsangehöriger findet, sind die Krankenhäuser auf eine privat-medizinische Versorgung meist vorbereitet. Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung ist vor Reiseantritt in jedem Fall empfehlenswert, selbst wenn bei Einreise ins Land auch immer eine Krankenversicherung eines nationalen belarussischen Versicherers abgeschlossen werden muss. 


Geld

Die Landeswährung ist der weißrussische Rubel, welcher nicht an den russischen Rubel gekoppelt ist. Am Flughafen Minsk hat man nach der Ankunft die Möglichkeit zum Wechsel von EURO in weißrussische Rubel. Ansonsten kann man während der Geschäftszeiten sowohl an den Wechselschaltern der Banken wie auch an diversen Geldautomaten mit seiner EC bzw. Kreditkarte Geld abbuchen. Das bargeldlose Zahlen in größeren Geschäften wie auch in vielen Restaurants ist mit Kreditkarte problemlos möglich.